Sonntag, September 23, 2007

Ist der Dalai Lama ein Terrorist?

Manchmal bin ich ja wirklich überrascht. Unsere Kanzlerin trifft heute den Dalai Lama (via SPON). Nun könnte man meinen, das wäre nichts ungewöhnliches. Ist es aber doch. Denn China mag diesen netten Mann überhaupt nicht. Ich persönlich mag ihn sehr gerne, auch wenn mir jetzt einige wahrscheinlich vorwerfen, auf der allgemeinen "Free Tibet" oder Buddismus-Welle mitzureiten. Ist mir egal, denn ich würde es sehr begrüßen, wenn Tibet wieder ein eigenständiger Staat wird, was ich aber leider nicht kommen sehe.

Politiker zeigen sich auch gern mit dem Dalai Lama - ist gut für's eigene Image. Meist empfangen sie ihn aber nicht mehr, sobald sie höhere politische Ämter inne haben. Dann wäre ein solches Treffen vielleicht immer noch gut für's Image, aber vielleicht nicht für die Beziehungen zum Lande China.

(An dieser Stelle sei noch schnell ein "Respekt, Frau Merkel" eingefügt!)

Da kommt einem doch der Verdacht, der Dalai Lama sei ein Terrorist. Wahrscheinlich versucht er nämlich mit hochgestellten Politikern aller Länder einen Komplott gegen China zu schmieden und Tibet mit aggressiver Waffengewalt zu befreien. Vor meinem geistigen Auge sehe ich eine Armee von 300 Mönchen gegen die chinesische Volksbefreiungsarmee (allein der Name, ach, ich sag lieber nichts weiter...) antreten und sie in blutigen Wellen Stück für Stück niederschmettern. Spätestens wenn dann einer der Mönche "For Sparta" brüllt, wird auch mir klar, dass es sich um ein sehr unwahrscheinliches Szenario handelt.

Der chinesischen Regierung offensichtlich nicht. Vielleicht haben sie recht. Mahatma Gandhi wurde von den Engländern anfangs ja auch als "kleiner Mann" verspottet. Allerdings fanden sie heraus, dass der "kleine Mann" die Massen mobilisierte. Ich glaube, Gandhi sagte mal so etwas wie: "Wenn ein paar tausend Engländer herausfinden, dass Millionen Inder nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten wollen, werden sie auch merken, dass sie hier nicht erwünscht sind."

Leider verfügt Tibet nicht über diese Millionen Menschen, die sich gegen über eine Millarde Chinesen erheben können. Sie können einfach nur langsam austerben. Die Menschen, ihre Kultur und vielleicht auch ihre Religion more info klick here .

Und die Zeit arbeitet für sie. Denn wenn dieser charismatische, kleine Mann mit dem netten Lachen einmal verstirbt, wird Tibet wahrscheinlich in der Versenkung verschwinden und von den Chinesen in bester Star Trek Borg Manier komplett assimiliert werden.

An dieser Stelle gilt mein Dank im übrigen auch noch einmal unseren werten Wirtschaftsvertretern, die gern in China produzieren. In einem Land, in dem die freie Meinungsäußerung als Gerücht existiert, in einem Land, dass günstig und profitabel produziert, weil die Arbeiter eben 20 Stunden am Tag arbeiten ohne solch lächerlichen Dinge wie Krankenversicherung und Sozialabsicherung, in einem Land in dem die Todesstrafe exisitert und auch durchgeführt wird, in einem Land, in dem es möglich ist, dass Menschen in Gefängnissen verschwinden und nie wieder auftauchen, in einem Land das Zwangsabtreibungen durchführt und so weiter und so fort. Schade eigentlich, denn China hat ja auch eine reiche Kulturgeschichte, auf die es zurückblicken kann.

Aber Moral und Ethik haben beim Geld verdienen nun mal nichts zu suchen.


Links zum Thema Menschenrechtsverletzungen in China:

Artikel in der FR zum Thema China und Olympia
China, ein Alptraum

Seite von Amnesy International, immer mit aktuellen Begebenheiten
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